finck von finckenstein

Stefan Keim über T.D. Finck von Finckenstein

„Tommy Finke aka T.D. Finck von Finckenstein ist weit mehr als ein versierter Allroundkomponist. Wenn er an einer Inszenierung beteiligt ist, wird er zum prägenden Mitschöpfer. Der düstere Soundtrack zu Ersan Mondtags bildgewaltigem „Internat“, die elektronischen Verzerrungen und Loops von Haydns Oratorium für Claudia Bauers „Schöpfung“, die abgedrehten Musical- und Punksongs für Kay Voges´ „Theatermacher“ – das sind drei überragende Arbeiten in nur einer Saison. Ein Arbeitstier, ein heiterer Kunst-Anarchist, ein kreativer Dauersprudler.“ – Stefan Keim in seiner Laudatio zum Kritikerpreis der DOfiS am 13.07.2018

Westfälischer Anzeiger zur Musik in „Schöpfung“

„Auch musikalisch beeindruckt die Produktion. Gewiss, Chor und Orchester wurden eingespart. Aber die drei Solisten Maria Helgath (Sopran), Ulrich Cordes (Tenor) und Robin Grunwald (Bass) tragen nicht nur die Rezitative stimmgewaltig zu Piano oder Cembalo (Petra Riesenweber) vor. Sie bringen auch viel Improvisation und Interaktion mit den Verfremdungen und Bearbeitungen durch T. D. Finck von Finckenstein ein. Mal stört nur ein untergründiges Grollen die Harmonie, oder ein dissonantes Echo am Schluss einer Zeile. Dann aber singen die Solisten eine Zeile wieder und wieder, wie einen Loop, und fügen sich ganz ins moderne Klangbild ein.“ 08.04.2018

nachtkritik.de zur Musik in „Schöpfung“

„Haydns Oratorium und die Sprechtexte, die Claudia Bauer und Dirk Baumann aus unterschiedlichsten Materialien collagiert haben, verhalten sich eher wie zwei parallele Linien, und die können sich zumindest in der euklidischen Geometrie niemals treffen. Die eine, T.D. Finck von Finckensteins Bearbeitung von Haydns Musik, zitiert noch einmal den großen Schöpfungsmythos der Genesis. Allerdings verschiebt sich durch die konsequente musikalische Reduktion und durch elektronische Verfremdungen die Wahrnehmung. Maria Helgath, Ulrich Cordes und Robin Grunwald, die drei stimmlich ungeheuer eindrucksvollen Opernsolisten, lobpreisen in Rezitativen, Arien und Chorpassagen zwar den Herren. Aber noch mehr feiern sie den Menschen als ‚Mann und König der Natur‘.“ 07.04.2018

Süddeutsche Zeitung zur Musik in „Das Internat“

„Glockenspiel, Vibrafon, Streichquartette mit Pizzicati-Verzierungen, Käuzchenrufe und andere Tierlaute, die man mit den Schreien von Geschundenen verwechseln kann – die Komposition entfaltet einen Sog, sie untermalt das ewige Rotieren der Bühne, die ewige Wiederkehr des Gleichen, akustisch. Sogar die Elektropopband Kraftwerk könnte man, was die Mechanik, die Kühle und die Stringenz des künstlerischen Akts angeht, zu den Referenzen des Abends zählen.“ 13. Februar 2018

Revierpassagen zur Musik in „Das Internat“

„Und dann wäre da noch die Musik. Oder besser vielleicht der Klangteppich, der dieser Produktion unterlegt ist und der an der düsteren, gruseligen und bedrohlichen Stimmung keinen geringen Anteil hat. (…) Gut, dieser Soundtrack hätte auch manchem alten Edgar-Wallace-Film zur Ehre gereicht und trägt ein bißchen dick auf, manche würden ihn gar kitschig nennen. Doch ergänzt er das optisch-akustische Gesamtkunstwerk hervorragend, das ja so radikal auf Stimmung setzt. T.D. Finck von Finckenstein hat das komponiert, Musiker und Klangtüftler aus Bochum und seit einigen Jahren und in einigen Produktionen für das Theater Dortmund tätig. Und mit Sicherheit jemand, der in seinem künstlerischen Schaffen für weitere Überraschungen gut sein dürfte.“ 11. Februar 2018

Ruhrbarone zur Musik in „Das Internat“

„Das alles unterlegt mit einem durchgehenden Soundtrack von T.D. Finck von Finckenstein, der teilweise von einem Quartett der Dortmunder Philharmoniker eingespielt, teilweise elektronisch erzeugt wurde. Ein anspielungsreiches düsteres Klangband in das immer wieder Versatzstücke aus Klassik bis zu Philipp Glass, aber auch diverse Sounds, die direkt aus Gruselfilmen zu stammen scheinen, eingewoben sind.“ 10. Februar 2018

nachtkritik.de zur Musik in „Das Internat“

„Also malt Mondtag, musikalisch unterstützt von T.D. Finck von Finckenstein, dessen teils minimalistische, teils romantische Kompositionen und Klangkulissen einen düsteren Echoraum des Schreckens und der Paranoia erzeugen, eine Serie von Höllenszenen, die den Visionen eines Hieronymus Bosch in Nichts nachstehen. Ein Albtraum gebiert den nächsten, und so geht es immer weiter.“ 9. Februar 2018

vita

(C) Birgit Hupfeld

Ich wurde 1981 in Bochum im Ruhrgebiet geboren. Als Tommy Finke spiele ich seit 1998 eigene Lieder auf den Bühnen der Republik. Ja, weit davor hatte ich sogar schon eine kleine, sehr schlechte Punkband, die nun mehr oder weniger vergessen ist, was manche als die einzige Errungenschaft der Gruppe ansehen. Aber am Theater nenne ich mich T.D. Finck von Finckenstein oder kurz Finck von Finckenstein. 

Von 2003 bis 2008 habe ich Elektronische Komposition an der Folkwang Universität der Künste in Essen bei Prof. Dirk Reith studiert. Die Diplomarbeit „Über das Auratische in der Popmusik und seine kompositorischen Implikationen“ erschien 2008 und beschäftigte sich mit popkulturellen Aspekten und wie ein Komponist diese für seine Zwecke nutzen kann.

In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends habe ich an Klängen und Musiken für Videokunst gearbeitet. Besonders häufig mit meinem langjährigen Künstlerkollegen Martin Brand.

Im jahr 2013 erreichte mich ein unerwarteter Anruf von Mario Simon und machte mich zum Teil des Teams für „Das goldene Zeitalter – 100 Wege dem Schicksal die Show zu stehlen“, ein dreieinhalb stündiger Performance-Abend über Loops, Fragmente, Sampling und das Leben an sich unter der Regie von Kay Voges.
Beflügelt durch die spannende Zusammenarbeit entstand kurz danach die zweite Arbeit für Kay Voges, die Musik für „4.48 Psychose“, bei der die Körperdaten der Schauspieler*innen in die Livemusik auf der Bühne mit einfließen.
Eine dritte Arbeit mit Voges, „Endstation Sehnsucht“ am Schauspiel Frankfurt führte schließlich dazu, dass ich seit der Spielzeit 2015/2016 der feste Musikalische Leiter des Schauspiel Dortmund unter Voges‘ Intendanz bin. Logischerweise entstehen seitdem dort die meisten meiner Arbeiten.

Im jahr 2014 verbrachte ich außerdem mehrere Wochen in Montréal, um am dortigen Goethe Institut zusammen mit Fabien Prioville und Louise Lecavalier das Tanzstück „Reverse_Me“ musikalisch zu begleiten. Fabien Prioville hatte die Aufführung von „Das goldene Zeitalter“ in Dortmund gesehen und mich vom Fleck weg engagiert.

2016 durfte ich die gesamte Musik für „Junges Licht“ von Adolf Winkelmann komponieren und produzieren. Diese Arbeit entstand durch einen glücklichen Zufall: Adolf Winkelmann hatte zuvor einen meiner Liveauftritte gesehen.

2017 wurde „Die Borderline Prozession“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Für das Stück habe ich Musik geschrieben, zusammengestellt, ge-remixt und ge-mashuped und live auf der Bühne jeden Abend neu gemischt. 2019 wurde dann „Das Internat“, ebenfalls mit meiner Musik (diesmal auch mit Streichquartett-Kompositionen und ohrenbetäubendem Lärm), ebenfalls zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

 

Ruhr Nachrichten zu „hell / ein Augenblick“

„Sensorisch ist diese Blackbox der Erinnerung ein großer Wurf. Das Zusammenspiel von Fotos, Musik (Tommy Finke), Bühne (Pia Maria Mackert), Darstellern (und Dunkelheit!) hat einen hypnotischen Zauber, der ganz wunderbar ist. Ein Bravourstück, ein Bühnenereignis, das lange nachhallt.“ 13. Februar 2017

Badische Zeitung zur Musik in „Junges Licht“

„Gleiches gilt für den großartigen Soundtrack von Tommy Finke, der zwischen Minimalismus und großem Orchester alle Register zieht; manche seiner Kompositionen klingen fast hitverdächtig oder wie ein Traditional.“ 12. Mai 2016

Ruhrbarone zur Musik in „4.48 Psychose“

„Musiker Tommy Finke, außerhalb dieses Raumes immer noch in seiner Vielfältigkeit unterschätzt, lässt die Biodaten einfließen in die Musik. Puls und Atmung steuern teilweise den Sound.“ 6. Mai 2014